Carme Bassa

 

Barcelona

www.bassa.com

 

       Kritiken

Galeria Art Sud, Toulouse, 1996 

Auch auf die Gefahr hin zu vereinfachen,  kann man sagen, dass es in Carme Bassas Werk zwei Grundtypen von Arbeiten gibt, zwei Wege, die sie parallel gegangen ist. Folgen wir dieser Aufteilung, dann finden wir auf der einen Seite gegenständliche Arbeiten und auf der anderen abstrakte Kompositionen. In der ersten Kategorie finden wir Darstellungsübungen, der Blick ist nach Außen gerichtet, während die zweite Kategorie sich mit Übungen der Linienführung befasst, die aus einer inneren Beobachtung und einer spontanen Sichtbarmachung hervorgehen. 

In dem ersten großen Block ihrer Arbeiten finden wir Darstellungen von Elementen des Haushalts, des Innenraums, der äußeren Gegenstände von drinnen her gesehen, oft durch ein Fenster oder von einem Balkon aus. Wie als Zwischenstadium gibt es eine Serie von Arbeiten, in denen es eine Komponente harmonischer Anordnung gibt, die aus dem Respekt und der Bewunderung für die Dinge und die äußeren Formen, die die Künstlerin umgeben, entstanden ist. Es sind Gegenstände, die ihr Gesellschaft leisten und die voller Bedeutungen und Assoziationen sind. Die Gegenstände, die ihr am nächsten sind, dienen ihr als formale und ikonographische Referenzen, um eine Suche nach Möglichkeiten der Form, des Lichts, der Linienführung und, zuletzt, des Ausdrucks unternehmen zu können. 

Von dieser alltäglichen Unmittelbarkeit geht Carme im zweiten Block ihrer Werke zu ihrem inneren Universum über, zu einer Symbolik, die persönlichere und intimere Themen nahelegt. Diese abstrakteren Gemälde, auch wenn sie auf erkennbare bildliche Elemente zurückgreifen, sind symbolische Kompositionen, die entschlüsselt werden müssen und die unsere Offenheit gegenüber dem fordern, was uns in ihnen erzählt wird. Es sind Werke, die ohne Eile betrachtet werden müssen und in denen, fast auf gegenständliche Weise und mit Entschlossenheit, Selbstzensur und Zweifel offen gelegt werden. Innerhalb dieser abstrakteren Art dienen die Linie, die Graphik und die abstrakte Komposition dazu, persönliche Gemütszustände auszudrücken. Ferner finden wir dort eine ehrfurchtsvolle Studie der Farbe, des chromatischen Konflikts, des Dialogs, in dem die Farben miteinander stehen und der Ausdrucksmöglichkeiten ihrer Symbolik. 

Was ihre plastischen Ergebnisse betrifft, so finden wir hier häufig uranfängliche Linienführungen und in ihrer kalligraphischen Einfachheit äußerst universelle Formen. Es gibt viele Zeichen und viele schematische Darstellungen elementarer und polysemer Formen, die jedoch in Carmes Händen unvermeidlich durch das Sieb ihrer persönlichen Vorstellung, ihrer Bedeutungswelt gehen. 

Beim Betrachten ihres Werkes nehmen wir ihren hohen Intuitionsgrad beim Aufgreifen universeller Themen wahr, die auf fast unvermeidliche Weise erscheinen. Carme Bassas Entwicklung ist ein Prozess gewesen, in dem es galt, verschiedene Themen und Techniken zu erproben und Wegen der Selbstanalyse zu folgen. Ihre formale Suche ist am Anfang jeder Etappe, wenn sie sich mit einer neuen Technik vertraut macht, bewusster, doch je mehr Sicherheit sie in dem Medium gewinnt, desto mehr schwindet die Intentionalität und verliert ihre Wichtigkeit. 

Wenn Carme Bassa auf sich selbst hört und sich keine bewusste Aufgabe vornimmt, wenn die Intention am freiesten und am wenigsten vorbedacht ist, dann gelingt es ihr glänzende, vielsagende, großzügige und bewegende Bilder zu schaffen: konzentrierte Momente der Weisheit, ruhiger Selbstsicherheit, in denen es keine Zweifel mehr gibt, sondern nur mehr Licht und Weitblick. Ein Licht, das aus der Selbsterkenntnis entsteht, fern von Äußerlichkeiten und überflüssigen Dingen. So ist der Eindruck, den sie vermittelt, der einer Rückkehr, der einer Rückgewinnung, und nicht nur der einer Entdeckung. Die Wirkung ist die der Öffnung eines Lichtgeschenkes, welches in ein Papier gewickelt war, welches unnötig war und nur dazu diente, es zu verbergen. Carme Bassa hat keine Angst davor, Extreme von Energie und Dunkelheit, von Schwäche und Subtilität und von all dem, was dazwischen liegen mag, auszuprobieren. In ihrem Werk gibt es eine Gelegenheit für jeden Moment, eine Komposition für jeden Gemütszustand.

 

Martina Millà

MA Institute of Fine Arts (New York University)

-------------------------------------------------------------------------------

Pintures exposades

Works on exhibition

Pinturas expuestas

 

Home page